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Eine Okarina aus Ton bauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Eine Okarina aus Ton mit den eigenen Händen zu bauen, ist eines der schönsten Bastel- und Musikprojekte überhaupt. Mit einem Klumpen Töpferton, zwei Eisstielen und einer kleinen Klinge baust du eine uralte Gefäßflöte mit klarem, vollem Klang.
Was du brauchst
Für eine Okarina brauchst du keine Töpferwerkstatt. Eine Ecke in der Küche oder ein Basteltisch reichen:
- Töpferton, im Ofen gebrannt (am besten): Steinzeug-, Irdenware- oder Terrakottaton, im Brennofen gebrannt, klingt viel klarer und heller. Lufttrocknender Ton und Modelliermasse können auch spielen, aber lufttrocknender Ton bleibt etwas weich und faserig: Er schluckt einen Teil der Schwingung und dämpft den Klang. Wenn du keinen Brennofen hast, frag in einer Töpferwerkstatt in deiner Nähe: Viele brennen Stücke von Kursteilnehmern für wenig Geld.
- Zwei Eisstiele (Bastelstäbchen): Sie formen den rechteckigen Schlitz des Windkanals und geben den Winkel der Kante vor.
- Ein kleines Bastelmesser oder eine Töpferklinge: um den Ton sauber zu schneiden, ohne ihn zu ziehen.
- Ein kleines rundes Modellierwerkzeug oder Strohhalme: um die Tonlöcher zu stechen und zu stimmen.
- Ein Becher Wasser und ein Schwamm: um den Ton anzurauen und die Oberflächen zu glätten.
Schritt 1: Den hohlen Körper formen (Daumenschalen-Methode)
Der Klang einer Okarina hängt von der Resonanz des Luftvolumens in ihrem Inneren ab. Am einfachsten und sichersten baust du einen hohlen Körper aus zwei Daumenschalen:
- Nimm ein Stück Ton, so groß wie eine Zitrone, und teile es in zwei gleiche Hälften.
- Roll jede Hälfte zu einer glatten Kugel. Drück den Daumen in die Mitte jeder Kugel und drück die Wände gleichmäßig aus, bis du zwei gleiche kleine Schalen (Daumenschalen) hast, 5 bis 6 mm dick.
- Rau die Ränder beider Schalen mit einem Zahnstocher oder einer Gabel kreuzweise an, befeuchte sie mit einem Tropfen Wasser (Schlicker) und drück die beiden Schalen fest zusammen.
- Verstreich die Naht mit dem Daumen, bis sie ganz verschwunden ist. Jetzt hast du ein hohles, luftdichtes Ei aus Ton. Klopf es sanft auf den Tisch, um ihm die klassische Form einer Süßkartoffel oder eines Tropfens zu geben.
Schritt 2: Das Mundstück ansetzen und den Windkanal schneiden
Das Herz jeder Flöte und jeder Okarina ist der Kernspalt (der Windkanal und die Kante, die die Luft teilt). Hier wird aus Luftdruck ein musikalischer Ton.
- Setz einen kleinen rechteckigen Tonblock an ein Ende des hohlen Körpers, als Mundstück. Verstreich die Verbindung, sodass sie mit dem Körper verschmilzt.
- Schieb ein flaches Bastelstäbchen waagerecht durch das Mundstück, bis es gerade in die Kammer reicht. So entsteht ein flacher, glatter Windkanal. Lass das Stäbchen stecken.
- Schneide von außen ein kleines quadratisches Fenster (etwa 5 × 5 mm) genau am Ende des Mundstücks, wo es auf den Körper trifft, sodass die Spitze des Stäbchens frei liegt. Nimm das kleine Tonquadrat heraus.
Schritt 3: Das Labium schnitzen (das, was den Ton macht)
Das ist der wichtigste Schritt. Die Luft aus dem Windkanal muss in einem Winkel von etwa 45 Grad auf einen rasiermesserscharfen Keil treffen (das Labium):
- Schneide mit dem Messer schräg von außen die hintere Kante des Fensters zu einem sauberen, scharfen 45°-Keil, der direkt zurück zum Windkanal zeigt.
- Die scharfe Kante muss genau auf der Mittellinie des Windkanals liegen. Die Hälfte der Luft soll in die Okarina strömen, die andere Hälfte nach außen.
- Zieh das Holzstäbchen vorsichtig heraus und blas sanft ins Mundstück.
- Hör hin: Wenn Ausrichtung und Kante sauber sind, hörst du sofort einen klaren, reinen Pfeifton! Klingt es nur nach Luft oder bleibt es still, steck das Stäbchen wieder hinein und korrigiere vorsichtig die Schärfe oder die Ausrichtung des Keils, bis er mühelos singt.
Schritt 4: Die Tonlöcher stimmen und bohren
Weil die Okarina ein Helmholtz-Resonator ist, hängt ihre Tonhöhe nicht davon ab, wo die Löcher entlang eines Rohrs sitzen: Sie wird bestimmt vom Verhältnis der gesamten offenen Lochfläche zum Volumen der Kammer. Jedes offene Loch macht den Ton höher!
- Fang mit dem tiefsten Ton an: Wenn alle Löcher gedeckt sind (nur das Fenster offen), spielt die Okarina ihren Grundton (oft C oder G, je nach Größe).
- Das erste Griffloch: Stich mit einem Strohhalm oder einem runden Werkzeug oben das erste kleine Loch für den rechten Zeigefinger. Blas, während du es deckst und öffnest: Geöffnet steigt der Ton um eine Stufe (zum Beispiel von C nach D).
- Nach und nach weiten: Ein größeres Loch gibt einen höheren Ton. Weite das Loch immer nur ein bisschen, bis der Ton stimmt: Ein Loch kannst du nicht wieder kleiner machen.
- Die übrigen Löcher: Für eine englische Anhänger-Okarina mit 4 Löchern machst du vier Löcher in verschiedenen Größen (zwei für die linke Hand, zwei für die rechte). Mit diesem genialen System spielen 4 Löcher eine ganze Tonleiter aus 8 Tönen!
- Für eine Querokarina mit 10 oder 12 Löchern fügst du weitere Grifflöcher der Reihe nach von rechts nach links hinzu und prüfst jeden Ton mit einem Stimmgerät oder einer Stimm-App.
Ton schrumpft beim Trocknen. Nasser Ton schrumpft beim Trocknen und noch einmal im Ofen, die Kammer wird kleiner und alle Töne steigen ein wenig. Stimm jedes Loch etwas zu tief, solange der Ton lederhart ist, und rechne mit einer letzten Korrektur im trockenen Zustand, indem du die Löcher leicht weitest.
Schritt 5: Trocknen, Glätten und Brennen
- Glätten: Wenn der Ton lederhart ist (fest, aber noch nicht ganz trocken), poliere die Außenseite sanft mit der Rückseite eines Metalllöffels, für eine glatte, seidige Oberfläche. Entferne kleine Tonkrümel aus dem Windkanal und den Tonlöchern.
- Trocknen: Lass die Okarina langsam bei Zimmertemperatur trocknen, ohne direkte Sonne, 3 bis 7 Tage, bis sie ganz trocken ist.
- Brennen: Wenn du Keramikton verwendest, schrüh den Körper im Brennofen bei Kegel 04–06 (etwa 1000 °C). Du kannst die Außenseite für Farbe glasieren, aber halt die Glasur aus dem Windkanal und dem Labiumfenster heraus, damit die akustische Form genau bleibt.
- Lufttrocknender Ton: Lass ihn gut aushärten und versiegle ihn dann mit einem ungiftigen, wasserfesten Lack: im Windkanal und im Luftweg, und auch außen. Dein Atem schlägt sich beim Spielen im Windkanal nieder, und unversiegelter lufttrocknender Ton wird von der Feuchtigkeit weich, das kann den Windkanal und das Instrument verderben. Trag den Lack dünn auf, damit er die Form des Windkanals nicht verändert und die Labiumkante nicht abrundet.
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